Nach „Der Text als Wolke – eine Einführung in das metereologische Schreiben“ im Jahre 2022 gab es am 14. September 2025 nun schon die zweite Veranstaltung mit Frau Prof. Cornelia Klettke.
Die Aufklärung wäre womöglich ohne den Kaffee und vor allem ohne die Kaffeehäuser in dieser Form nicht denkbar gewesen oder ganz anders verlaufen. Von der zentralen Rolle der Kaffeehauskultur als Treffpunkt, aber auch als gedanklichem Kristallisationspunkt als Ort der Debatte, berichtete uns Frau Prof. Cornelia Klettke vom Institut für Romanistik an der Universität Potsdam im vollen Saal des Kunsthauses sans titre.

In fünf Kapiteln beleuchtete sie die Entwicklung des Kaffees von der Arznei, die nur in Apotheken verkauft wurde, über die Bewertung als Rauschmittel bis hin zur Rolle des Kaffees als erhellendes und den klaren Verstand förderndes Getränk der Philosophen und Denker.

Wo die Ursprünge der europäischen Kaffeehauskultur liegen, wird wohl ewig im Dunkeln und daher je nach Standpunkt des Betrachters umstritten bleiben. Fest steht aber, dass es nach ersten Orten des Kaffeeausschanks in London im 17. Jahrhundert bald in ganz Europa Kaffeehäuser gab.
Eines der ersten wichtigen Kaffeehäuser in Paris war das Café Procope, das im Jahre 1686 von einem Palermitaner Edelmann gegründet wurde.

In Venedig folgten alsbald die drei Klassiker („die großen Drei“), die Caffè Florian, Quadri und Lavena. Hier waren – im Gegensatz zu Paris – auch Frauen zugelassen. Das Florian wurde übrigens dann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Treffpunkt der italienischen Patrioten, während sich die eher den Habsburgern zuneigenden „Österreicher“ im Quadri trafen.

Kenntnisreich und leidenschaftlich trug Frau Prof. Klettke vor. Unterstützt wurde sie durch höchst anschauliche und zum Teil amüsante Zitate, bravourös vorgetragen von Jaqueline Bleinagel und Barbara Schaffernicht. Hier ein Beispiel:
„Der Kaffee, dieser nüchterne, stark auf das Gehirn wirkende Likör, der im Gegensatz zu den Spirituosen die Klarheit und Schärfe des Geistes steigert – der Kaffee, der die vage und schwere Poesie der Nebelschwaden der Phantasie beseitigt und aus der klar gesehenen Realität den Funken und den Blitz der Wahrheit entspringen lässt; – der anti-erotische Kaffee, der durch die Erregung des Geistes den Sex zum Alibi macht.“ (Jules Michelet)

Für die stimmige und sensible musikalische Umrahmung sorgten Ralf Benschu am Saxofon und Elham Peyman an den Keyboards .

Der höchst interessante und überraschende Nachmittag klang mit der gemeinsam gesungenen Kaffeekantate C-A-F-F-E-E aus, die nicht wenige Gäste als Ohrwurm mit nach Hause nahmen.

Die Veranstaltung fand in der Reihe „Worte &Klänge“ des sans titre e.V. und in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Potsdam-Versailles e.V. statt.

Der Kaffee als Droge der Aufklärer