Zu einem „Gespräch mit Italienern in Deutschland“ hatte der Freundeskreis am 13. November 2025 ins AWO-Kulturhaus Babelsberg eingeladen. Unter Moderation von Tonia Mastrobuoni, Deutschland-Korrespondentin der Zeitung La Repubblica, diskutierten Prof. Edith Pichler von der Universität Potsdam und Alessandro Cotroneo, Mitinhaber der Caffè-Bar 11-line in Potsdam. Das Thema: „Heimat oder Fremde?“ 

Historisch gesehen war Italien immer schon ein Land, aus dem die Menschen auswanderten. Statistiken sprechen aktuell von 6 Millionen Italienern, die im Ausland leben. Nach Argentinien ist Deutschland das beliebteste Ziel der Auswanderer. 847 000 Italiener haben sich entschieden, hier zu sein.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Anfänglich war es die wirtschaftliche Not, vor allem im Mezzogiorno, dem südlichen Teil der Halbinsel, die die Menschen zum Verlassen ihrer Heimat veranlasste. Oftmals nicht besonders ausgebildet mussten sie sich als (Gast-) Arbeiterin, Kellner, oder Pizzabäcker verdingen. Oder sie eröffneten Restaurants, die bis heute unsere Gastronomie als „beim Italiener“ bereichern.  Neben dieser fuga delle braccia wird heute auch gesprochen von den cervelli in fuga, den Gehirnen auf der Flucht. Das versinnbildlicht, auch gut ausgebildete Wissenschaftlerinnen, Künstler, Fachleute und Techniker sehen in ihrer Heimat Italien keine Zukunft. Nicht zuletzt die Politik spielt dabei eine Rolle. Anwesende Italiener berichteten von einer „Entfremdung“ während der Regierungszeit Berlusconis, die für sie ein Grund zur Auswanderung war.

Im vollbesetzten Saal entspann sich eine lebhafte Diskussion, die einige Themen in den Fokus rückte, die uns Deutschen vielleicht nicht so präsent sind. Es wurden Beispiele von Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Ausbildungsabschlüssen genannt. Oder, wie lebt es sich in einem Land, dessen Pass man nicht besitzt und deshalb das Wahlrecht nur eingeschränkt ausüben kann? Wo finden sich Italienerinnen oder Italiener in Führungspositionen, wo sind sie als Entscheidungsträger tätig, wo in Parlamenten vertreten?

Nicht zuletzt die nach der Diskussion fortgeführten Gespräche ließen erkennen, dass die Mehrzahl der bei uns lebenden Italienerinnen und Italiener sich nicht fremd fühlt und lange schon ihre Heimat in Deutschland gefunden hat. Sie beteiligt sich aktiv am wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Leben, bleibt gleichwohl aber ihrer ursprünglichen  Heimat nicht nur emotional eng verbunden.

Heimat oder Fremde?