Erneut haben sich am 9. Oktober Mitglieder und Interessierte zum Aperitivo zusammengefunden. Dieses Mal hatte die Organisation unser Mitglied Marlene Muthesius in die Hand genommen.
Über verschiedene Themen wurde lebhaft diskutiert. So hatten einige Gäste bereits die aktuelle Joop-Ausstellung in Potsdam gesehen. Dies brachte interessante Aspekte zum Vorschein, u.a. wie sieht ein Modeschöpfer auf die Frauen (und Männer) und wie unterschiedlich ist z.B. der Blick von Joop und Lagerfeld.
Unser Mitglied Sophia führte die Runde gedanklich noch in das Kunstgewerbemuseum. In der ständigen Ausstellung wird dort auch Mode gezeigt wird. Im Rahmen ihres Studiums beschäftigt sie sich u.a. mir diesem Thema. Die Nachfrage, ob ein Interesse bestehen würde, einen gemeinsamen „Ausflug“ in das Kunstgewerbemuseum nach Berlin zu machen, wurde allseits bejaht. Sophia war einverstanden, dass sie in diesem Falle die Führung der Gruppe durch die Ausstellung übernimmt. In diesem Zusammenhang wurde auch der Wunsch laut, wieder einmal einen Museumsbesuch mit italienischer Führung zu machen, vielleicht wieder im Barberini zur neuen Ausstellung über das Einhorn.
Anregende Gespräche über zwei Bücher
Angeregt durch zwei von Marlene Muthesius mitgebrachte Bücher gab es zwei weitere Themenkreise (erstes Buch: Oliva Denaro von Viola Ardone, zweites Buch: I giorni di Vetro von Nicoletta Verna).
Der Themenkreis zum ersten Buch, ein Roman, basierend auf der wahren Geschichte von Franca Viola in Sizilien. Franca Viola hat mit Ihrem NEIN (das erste Mal in der Geschichte und mit Unterstützung der Eltern) zur Heirat mit ihrem Entführer und Vergewaltiger, einen Sturm ausgelöst, der am Ende, Anfang der 80iger Jahre, zu Gesetzesänderungen geführt hat. Fortan führt die Heirat in einem solchen Fall nicht mehr zur Löschung der Schuld des Vergewaltigers.
Daran anschließend, sprachen wir über die Stellung und das heutige Bild der jungen Generation von Frauen, beeinflusst durch Socialmedia und Tiktok. Interessant war auch Sophias Blick als zu der jungen Generation gehörend.
In dem zweiten von Marlene Muthesius vorgestellten Buch wird der italienische Faschismus so dicht nahegebracht, dass sie sich entschieden hatte, die dort genannten Orte vor Kurzem selbst aufzusuchen. Von dieser Reise nach Forlì und Umgebung erzählte sie und von der unweigerlichen Konfrontation mit den Greueltaten der deutschen Nazis, ein Thema, das Italienreisenden wenig bis gar nicht bekannt ist, aber im kollektiven Gedächtnis der Italiener eingebrannt ist. Jeder brachte zu diesem Thema sein Wissen und teilweise Erfahrung ein.
Interessant fanden alle, dass Forlì die Stadt Mussolinis war und es ein Areal gibt mit einer Prachtstraße, gesäumt von faschistischen Bauten, deren Baustil Rationalismus genannt wird. Die Stadt hat dieses faschistische Erbe vor einigen Jahren saniert und dem Gebiet den Namen „Il MIGLIO BIANCO“ gegeben. Inzwischen wirbt die Stadt, in der die Resistenza sehr stark war, mit diesem faschistischen Erbe für den Tourismus.
Nicht alle Aspekte konnten in diesem Rahmen besprochen werden, aber vielleicht kann das Thema in einem anderen Format noch vertieft werden.
Um gegen Ende des Treffens nicht die Schwere von Faschismus und Nazismus als letztes mit nach Hause zu nehmen, erzählte sie (immer noch Forlì), dass sie zufällig an einem Wochenende in der Stadt war, in der die ganze Stadt auf den Beinen wegen der „Grande Festa del liscio“ war. Es stellte sich heraus, dass für niemanden der „Ballo liscio“ ein Begriff war und so war es ihr ein Vergnügen, ein wenig darüber zu erzählen und (leider nur auf dem Handy) ein kurzes Filmchen in der Runde zu zeigen, was sofort Heiterkeit auslöste.
Es gibt seit 2023 eine Resolution, den Ballo liscio zum immateriellen Kulturerbe zu machen. Eine weitere gibt es auch für die Miglio Bianco.
Text: Marlene Muthesius

