Der Freundeskreis Potsdam-Perugia präsentierte am Mittwochabend ein kleines Juwel im Palais Lichtenau; nicht nur für Freunde Italiens, auch für Opernliebhaber und Neugierige. Der Konzertsaal im Palais erwies sich dafür als glänzender Veranstaltungsort.

Dr. phil. Sabine Sonntag, Opernregisseurin und Musikwissenschaftlerin aus Hannover, gelang es in ihrem engagierten Vortrag sofort, ihr Publikum in den Bann zu ziehen durch ihre kenntnisreichen und unterhaltsamen Ausführungen.

Die Oper, ein Missverständnis? Der Programmtitel dieses Abends ließ die Gäste in freudvoller Erwartung gespannt sein. Jeder hatte so seine eigenen Erfahrungen und Assoziationen: Die Oper? Eine Erfindung der Italiener, präsentiert für ein elitäres Publikum, ein langer Abend mucksmäuschenstill in kleinen Sesseln des Theaters, jedes Räuspern von „Kennern“ strafend beäugt, zu hohen Eintrittspreisen? Ein Genuss oder Qual? Oder die Oper, als Ort der Unterhaltung und Geselligkeit mit viel Lametta, mit Picknickkörben, mit unmittelbaren Reaktionen von Claqueuren und Störern oder zum Mitsingen, bejubelt und verrissen?

Frau Dr. Sonntag überraschte uns mit ihren Ausführungen zur Entstehungsgeschichte der Oper, die ihre Anfänge nahm in etwa 500 v. Chr. mit Rezitationen griechischer Stoffe von Aischylos, Euripides und Sophokles. Die Pausen dienten der Erholung und waren mit musikalischer Begleitung ausgeschmückt. Die Opern wurden im Laufe der Zeit immer vielgestaltiger und differenzierter in der Instrumentierung. Bald waren Text und Musik mehr oder weniger gleichrangig bedeutsam, es kamen Tanz, Bühnen- und Lichteffekte hinzu.
Im Laufe der Jahrhunderte soll es über 100.000 solcher Opernwerke gegeben haben – übrigens anfangs von Männern für ein Männerpublikum geschaffen und präsentiert.

Viele dieser Werke wurden nur einmalig aufgeführt und verschwanden dann sogleich, es wurde immer wieder neu komponiert. Doch die Lieblinge des Publikums, und damit auf den Spielplänen der Opernhäuser, blieben über Jahrzehnte hinweg in etwa die gleichen zehn Werke: Wir ahnten, um welche es geht.

Protagonisten für die heutige Aufführungspraxis der Opern waren die Häuser Medici und Gonzaga, womit Florenz, Mantua, und später auch Venedig und Neapel zu bedeutenden Wirkungsstätten für Opernschaffende und ihre Liebhaber wurden. Freunde Italiens kommen um ein grandioses Erlebnis ihrer Italienreise nicht herum: eine Verdi-Oper in der Arena von Verona!

Das Publikum des Abends war von der mitreißenden Präsentation so begeistert, dass eine Fortsetzung dieser Geschichte unbedingt gewünscht ist. Wie geht es weiter mit Puccini und Mozart, zu Wagner und Philip Glass?

Da capo, per favore, alla prossima volta, liebe Frau Dr. Sonntag!

P.S.:

Die ausgewählten Musikbeispiele waren „leider“ zu kurz, weil einfach zu schön…
(Tipp: die „Wahnsinnsarie“ aus Lucia di Lammermoor mit Lisette Oropesa …
und Glasharmonika unbedingt nachhören!)

Ein großes Dankeschön auch an Herrn Prof. Axel Fischer vom Palais Lichtenau und sein Team für die Gastlichkeit und Unterstützung bei diesem gelungenen Abend.

Text: Kathrin Remer

Viva l’Opera lirica!