Der VDIG-Lesemarathon feierte am 5. März 2026 ein Jubiläum. Zum zehnten Mal waren wir zu Gast in der Stadt- und Landesbibliothek in Potsdam. Nach vielen italienischen Autoren wie Italo Calvino, Andrea Camilleri, Umberto Eco und anderen stand dieses Jahr wieder einmal eine Frau auf dem Programm: die Literaturnobelpreisträgerin Grazia Deledda.
Carsten Wist, Carlo Mathieu, Mathias Iffert und Karen Schneeweiß-Voigt lasen aus der von Janina Vahl übersetzten Neuausgabe von Canne al vento.
Schauplatz von Schilfrohr im Wind ist die Insel Sardinien. Schon die ersten Seiten des Romans, im Original 1913 erschienen, vermitteln das Außerordentliche dieser Gegend. Auf Deleddas Weg als Autorin in jener Zeit lagen gewaltige Hindernisse: das Sardische als Muttersprache, die Sehnsucht nach Eigenständigkeit, das misstrauische Dorf und die engen Grenzen des weiblichen Rollenbildes. All das und ihr ehrlicher, doch liebevoller Blick auf die Menschen in dieser ländlichen Welt wurde zum Nährboden ihrer Literatur, mit der sie diese innere Auseinandersetzung in eine handlungsreiche Erzählung, eine klare, moderne Sprache und universelle Bilder verwandelte.
Ein rundum gelungener Abend, der mit No potho reposare und weiteren sardischen Liedern, angestimmt von Karen Sokoll am Klavier, einen schönen Ausklang fand.













